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„Die Wertschätzung der Kitas ist die Eintrittskarte“

Wie „Sprach-Kitas“ von der Arbeit im Verbund profitieren

Diemuth Hock-ForthDiemuth Hock-Forth

Diemuth Hock-Forth ist Diplom-Sozialpädagogin und arbeitet seit 15 Jahren im Elementarbereich. Sie hat sowohl Erfahrungen als Einrichtungsleiterin als auch als Fortbildnerin. Im Bundesprogramm „Sprach-Kitas“ begleitet sie als Fachberaterin des Diakonischen Werks an der Saar zwei Sprach-Kita-Verbünde mit insgesamt 18 Kitas.  

Wie profitieren die Kitas von der Arbeit im Verbund? 

Kitas haben sich zu Bildungseinrichtungen weiterentwickelt. Sie in der Umsetzung ihrer komplexen Aufgaben professionell zu begleiten ist eine notwendige Konsequenz.  Ich halte die kontinuierliche Beratung der „Sprach-Kitas“ für eine wichtige Weiterentwicklung des Vorgängerprogramms „Schwerpunkt-Kitas Sprache & Integration“. 

Im Dialog mit den Fachkräften wandeln wir abstrakt klingende Ziele des Bundesprogramms in praktische Handlungsschritte um. Ziel der Fachberatung ist ein Bewusstsein dafür zu schaffen, welche Alltagssituationen man als Bildungsprozesse und Spracherwerbsphasen begreifen kann. Es gilt den Blick auf vorhandene Ressourcen zu lenken und gleichzeitig dafür zu sensibilisieren, bestehende Strukturen zu überdenken und durch Veränderungen Freiräume zu schaffen.  

Durch den regelmäßigen Austausch im Verbund können wir Fragen der pädagogischen Fachkräfte beantworten und Unsicherheiten ausräumen. Es geht zum Beispiel darum, wie die unterschiedlichen Akteure ihre Rollen im Bundesprogramm „Sprach-Kitas“ ausfüllen oder es werden inhaltliche Fragen nach dem Unterschied zwischen alltagsintegrierter sprachlicher Bildung und Sprachförderung diskutiert. 

Wie sieht Ihre Arbeit in den Verbünden konkret aus?  

Die Wertschätzung der Kitas ist die Eintrittskarte für die Zusammenarbeit mit den Kita Teams. Ich habe in jeder Kita hospitiert und in wertschätzenden, motivierenden Briefen an die Teams meine Beobachtungen zurückgespiegelt. Dabei richte ich den Blick immer auf die Kompetenzen: „Was läuft schon gut?“ Die Kita–Teams fühlen sich gesehen, sie erleben „Aha“-Effekte. Im Grunde genommen gilt hier dasselbe Prinzip wie in der pädagogischen Haltung mit Kindern: Über Wertschätzung wird das Selbstwertgefühl unterstützt und daraus Mut für Neues entwickelt. Auf dieser Basis können später Themen bearbeitet werden, die eine gute fachliche Beziehungsgrundlage benötigen.  

Eine individuell abgestimmte Beratung ist sehr wichtig, denn jede Kita ist durch einrichtungsspezifische Rahmenbedingungen geprägt. Hierzu zählen etwa das Einrichtungsprofil, das Trägerleitbild oder die Lebenswirklichkeiten der Familien. Aber auch die Geschichte der Kita zählt für mich dazu und natürlich die Teamkonstellation.  

Die pädagogischen Fachkräfte rufen mich an, wenn sie Unterstützungsbedarf haben und ich berate sie telefonisch oder vor Ort. 

Zusätzlich gibt es alle sechs Wochen Netzwerktreffen für die zusätzlichen Fachkräfte „Sprach-Kitas“ im Verbund. Die zusätzlichen Fachkräfte verändern Teamentwicklung und Teamdynamik. Ihre Rolle und Aufgaben brauchen eine besondere Aufmerksamkeit. Das ist die Voraussetzung, um pädagogische Prozesse gemeinsam im Team zu gestalten. In diesem geschützten Raum geht es beispielsweise um Themen: „Wie finde ich meine Rolle im Team?“ Oder: „Wie gelingt es mir, dass meine Kompetenz im Team Anerkennung findet und pädagogische Prozesse gemeinsam initiiert werden?“ Außerdem dienen diese Treffen im Verbund dem Erfahrungsaustauch von Handlungsmöglichkeiten und praktischen Ideen.  

Zweimal pro Halbjahr finden sogenannte Tandemtreffen statt. Hier qualifiziere ich Leitungen und zusätzliche Fachkräfte gemeinsam als Tandem. In Workshops erarbeiten wir zum Beispiel, wie eine Zusammenarbeit gelingen kann, welche Strukturen benötigt werden und welches jeweilige Rollenverständnis vorhanden ist.  

Wie haben Sie sich auf diese Aufgabe vorbereitet? 

Durch meine jahrelange Berufserfahrung weiß ich um die Befindlichkeiten der Kitas. Ich kann in den Perspektivenwechsel gehen: Ich weiß, wie es gelingen kann, theoretische Ansätze in der Kita-Praxis umzusetzen und Prozesse anzustoßen, um pädagogische Qualität zu verbessern. Die Kitas schätzen, dass ich aus der Praxis komme.

Insbesondere bei Themen wie „Inklusive Pädagogik“ oder „Zusammenarbeit mit Familien“ ist die Selbstreflexion der Fachkräfte eine wichtige Methode um die eigenen Fachkompetenzen zu erweitern. Aufgrund meiner Erfahrung mit Kita-Teams weiß ich, welche Fragen Selbstreflexion anregen. Dazu gehören Fragen wie: „Auf was richte ich den Blick, was will ich in der Situation sehen: Schon wieder stört das Kind oder schon wieder experimentiert es und seine Neugierde ist wunderbar?“ „Was an meinem Verhalten zeigt mir, dass ich die Perspektive des Kindes, der Familie oder auch die der Kolleginnen und Kollegen einnehme? Daraus entwickeln sich weitere Fragen, die den jeweiligen Prozess vertiefen, z.B. „Ich sehe die Stärken des Kindes, nehme seine Ideen und Bedürfnisse wahr und rege Gespräche darüber an.“ Oder: „Ich werde mir über meine eigenen kulturellen Werte, die mir wichtig sind, bewusst und erweitere meinen Blick, indem ich mich bei den Eltern erkundige, welche Werte ihnen in der Familie wichtig sind.“

Alle Fachberaterinnen und Fachberater im Bundesprogramm „Sprach-Kitas“ nehmen an der Qualifizierung von Pädquis teil. Diese Treffen finden zweimal im Jahr statt. Wir bekommen dort einen Methodenpool vorgestellt, den wir an die Tandems in unserem Verbund weitergeben. Im letzten Qualifizierungsmodul ging es zum Beispiel um das Thema „Mehrsprachigkeit“. Auch für uns Fachberaterinnen und Fachberater ist der Austausch untereinander sehr hilfreich und bereichernd.

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