Logo des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Zusatzlogo: Gezeichnetes Kind springt auf farbigen rechteckigen Blöcken.

Schach in der Sprach-Kita

Bianca Hegermann leitet eine FABIDO Kita im Dortmunder Norden. Diese nimmt nicht nur am Bundesprogramm „Sprach-Kitas“ teil, seit drei Jahren lernen die Kinder hier auch Schach. Heute ist sie davon ganz begeistert, nur anfänglich hatte sie so ihre Zweifel …

Was war Ihre erste Reaktion, als Sie gefragt wurden, ob Sie Schach in Ihren Kita-Alltag integrieren wollen?

Bianca Hegermann: Als Leitungskraft war ich zunächst skeptisch, denn man verbindet mit Schach ein hoch kognitives Spiel. Wir waren aber offen für Neues und haben entschieden, uns auf das Experiment einzulassen und zu beobachten, wie die Kinder es annehmen. Wir haben die von der Initiative angebotene Fortbildung besucht und die zwei teilnehmenden Kolleginnen kamen sehr motiviert in die Kita zurück.

Was hat sie überzeugt?

Bianca Hegermann: Die ganzheitliche Vermittlung war ausschlaggebend, wie das Spiel erlebbar gemacht werden kann. Und, dass wir hier in der Kita Kinder hatten, für die uns das Angebot passend erschien. Recht schnell, nach drei bis vier Monaten, bemerkten wir auch, mit wie viel Begeisterung die Kinder dabei waren und welche positive Entwicklung bei ihnen stattgefunden hat.

Foto: Christiane KöhneMit Kreativität wird das Schachspiel in den pädagogischen Alltag eingebettet
Foto: FabidoAuch in Bianca Hegermanns Kita gehört die ganzheitliche Beschäftigung dazu

Wie integrieren Sie das Schachspielen in den Kita-Alltag?

Bianca Hegermann: Das Schachspielen ist bei uns fest in den Alltag eingebunden. In den ersten Monaten leiten wir die Kinder intensiv an, danach agieren die Kinder zunehmend selbständiger. Die älteren Kinder treffen sich an zwei festgelegten Tagen innerhalb der Woche in Kleingruppen. Sie tragen die Inhalte dann in den Gruppenalltag. Auf diese Weise werden auch unsere jüngeren Kinder beteiligt und sie beobachten sehr interessiert das Geschehen.

Außerdem steht für uns immer die Bewegung im Vordergrund. So haben wir beispielweise die Kinder bei einem Tanz zu Schachfiguren werden lassen. Sie haben dafür Kronen gestaltet und sich ausgesucht, welche Figur sie darstellen möchten. Anschließend haben sie sich tanzend über das Spielbrett bewegt. Wir haben auch einen alten Teppich umgestaltet. Dafür haben die Kinder große, mit Sand gefüllte Figuren hergestellt. Das ist jetzt unser Schachbrett, mit dem wir sowohl drinnen als auch draußen spielen. Unsere Aktionen sind also sehr vielfältig.

Welche Besonderheiten können Sie bei den Kindern beim Schach wahrnehmen?

Bianca Hegermann: Die Kinder zeigen ein hohes Maß an Konzentration und Ausdauer. Es äußert sich zum Beispiel durch genaues Zuhören.

Welche Effekte hat es auf die sprachliche Entwicklung der Kinder?

Bianca Hegermann: Um taktische Züge auszuführen, beraten sich die Kinder. Dies geschieht auf eine sehr faire Art – das Gewinnen steht nicht im Vordergrund. Die Kommunikation miteinander wird angeregt und gefördert. Wir haben viele Kinder aus unterschiedlichen Herkunftsländern und Kulturen. Bei diesen Kindern ist uns aufgefallen, dass sie sich jetzt viel stärker zutrauen sprachlich aktiv zu werden. Das hat uns sehr fasziniert.

Stellen Sie auch Wirkungen auf andere Kompetenzen fest?

Bianca Hegermann: Ja, auf alle motorischen Fähigkeiten und auf das Sozialverhalten. Sätze von Kindern wie „Ich helfe dir dabei“ oder „Schau mal, das kannst du so nicht machen“ machen dies deutlich. Kinder werden zum Multiplikator, denn es macht ihnen Freude etwas weitergeben zu können, dies fördert nicht nur die Sozialkompetenz, sondern auch die sprachliche Entwicklung. Letztes Jahr hat ein autistisches Kind mitgemacht. Das macht deutlich, dass auch Kinder mit Beeinträchtigungen zusammen mit allen Kindern über das Schachspiel gefördert werden können. Wir haben Kinder, die so begabt waren, dass sie nach einem Jahr sogar unsere Kolleginnen im Spiel geschlagen haben.

Wie geht es nach der Kita weiter?

Bianca Hegermann: Seit diesem Jahr arbeiten wir mit einer nahegelegenen Grundschule zusammen. Unsere Kinder können dort an einer Schachgruppe teilnehmen. Weiterhin besteht eine Kooperation mit einem Jugendfreizeittreff. Dort können die Kinder am Schachspiel teilnehmen, wenn sie älter sind. Das Erlernen des Schachspiels ist also nicht auf die Kita beschränkt, sondern aufbauend von uns geplant und organisiert.

Was können Sie anderen Einrichtungen mitgeben, die noch  keine Erfahrungen mit Schach in der Kita haben?

Bianca Hegermann: Ich kann den Kolleginnen und Kollegen nur Mut machen, sich darauf einzulassen. Es ist eine große Chance für die Kinder und sie profitieren vor allem im Bereich der Sprachentwicklung sehr davon.

Seite drucken