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Zusatzlogo: Gezeichnetes Kind springt auf farbigen rechteckigen Blöcken.

Porträt der Kita St. Elisabeth in Eisenberg

Kinder reichen sich am Esstisch die Hände.

Kita St. Elisabeth in Eisenberg: Hier hat frühe sprachliche Bildung Tradition!

Der Weg zur Schwerpunkt-Kita

In der Kindertagesstätte St. Elisabeth in Eisenberg (Pfalz) werden momentan 65 Kinder betreut, darunter elf Kinder unter drei Jahren. Seit 2011 nimmt die Kita am Bundesprogramm „Offensive Frühe Chancen: Schwerpunkt-Kitas Sprache & Integration“ des Bundesfamilienministeriums teil.

Die Kita St. Elisabeth startete mit einem Erfahrungsvorsprung in das Bundesprogramm: Von 2005 bis 2009 nahm sie bereits am Programm „Sprache macht stark“ teil, das ebenfalls auf frühe sprachliche Bildung setzte. Die Universität Mannheim entwickelte dieses Projekt in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Ludwigshafen und der Förderung der BASF. In den Jahren 2005 bis 2009 wurde es im Raum Ludwigshafen umgesetzt. Durch die Teilnahme am Programm „Sprache macht stark“ verfügten drei Erzieherinnen der Kita St. Elisabeth bereits über praktische Erfahrungen und eine Qualifizierung im Bereich Sprachbildung, darunter auch die Sprachexpertin der Kita, Frau Rutz.

Aus zwei Gründen hat sich die Kita 2011 entschlossen, am Bundesprogramm teilzunehmen und Schwerpunkt-Kita zu werden: Zum einen sollte die alltagsintegrierte sprachliche Bildung weiterentwickelt werden, zum anderen war die Förderung einer zusätzlichen halben Fachkraftstelle attraktiv. „Die zusätzliche halbe Stelle der Sprachexpertin verschafft uns viel mehr Spielraum für die sprachliche Bildung“, meint die Kita-Leiterin Frau Becker. „Die Fortschritte, die wir seit dem Start der Offensive gemacht haben, sind schon sichtbar: Früher haben wir in Kleingruppen Sprachförderung betrieben, heute profitieren alle Kinder von unserem alltagsintegrierten Ansatz der Sprachbildung.“

Beim Personal gab es in der Kita St. Elisabeth hingegen wenige Veränderungen. Frau Rutz, die Sprachexpertin, war bereits als Erzieherin in der Kita tätig. Das hatte den großen Vorteil, dass sowohl die Kinder als auch die anderen Erzieherinnen und Erzieher die „neue“ Sprachexpertin der Kita bereits kannten. Und Frau Rutz war wiederum bestens mit dem Team und den Abläufen in der Kita vertraut. Allerdings war es für die Sprachexpertin und das Kita-Team anfangs nicht leicht, die neue Rolle anzunehmen. „Meine große Herausforderung war es, ein eigenes Profil als Sprachexpertin zu entwickeln“, erklärt Frau Rutz.

Ein Coach unterstützt

Während der Übergangsphase hat die Kita ein Coach begleitet, mit dem das Kita-Team zuvor bereits zusammengearbeitet hatte. Der Coach unterstützte die Definition der Arbeitsbereiche und der Rolle von Frau Rutz als Sprachexpertin und entwickelte mit ihr gemeinsam Konzepte zur sprachlichen Bildung, Zusammenarbeit mit Eltern und Beobachtungs- sowie Dokumentationsmethoden. Auch jetzt finden noch regelmäßige Treffen mit dem Coach statt. „Er hilft uns, immer wieder unseren ‚roten Faden‘ aufzugreifen“, beschreibt die Kita-Leiterin seine Aufgabe. „Außerdem unterstützt er uns bei der Außendarstellung der Kita. Wir haben zum Beispiel gemeinsam einen Flyer zum Bundesprogramm entwickelt.“

Dokumentation: Strukturen im Alltag

Ein Teil der Umsetzung des Bundesprogramms widmete sich der Überarbeitung der Beobachtungs- und Dokumentationsmethoden. Die verschiedenen Situationen im Alltag der Kinder werden schriftlich festgehalten. Dabei orientiert sich das Team an folgenden Fragen: Was findet in dieser Situation statt? Wie fühlt sich das Kind dabei? Was ist dabei die Aufgabe der Erzieherinnen und Erzieher? Wie können wir die Situation als Anregung für sprachliche Bildung aufgreifen?

Eine wichtige Basis für die Sprachbildung ist die persönliche Beziehung der Erzieherinnen und Erzieher zu jedem einzelnen Kind. Diese wird im Alltag aufgebaut und intensiviert. Dafür gibt die Sprachexpertin wertvolle Hinweise für das ganze Team, die in einem Handbuch festgehalten werden. „Jedes Kind wird morgens individuell begrüßt und persönlich begleitet. Wir fragen zum Bespiel nach: ‚Hast du gut geschlafen?‛ oder ‚Wie geht es dir?‛“, erzählt die Kita-Leiterin. „Auf diese Weise erreichen wir, dass das Kind sich in der Kita gleich wohlfühlt.“

Alltagsintegrierte Sprachbildung

Kita-Leitung, Sprachexpertin und Coach entwickelten gemeinsam sprachanregende Raumkonzepte. Daraufhin wurden zusätzliche kindgerechte Materialien angeschafft und in die Räume integriert, damit die Kinder die einzelnen Bereiche ganz individuell und unterschiedlich nutzen können. Der Einkaufsladen zum Beispiel animiert die Kinder, miteinander Verkaufsgespräche zu führen. Außerdem wurden in den Räumen bewegungsanregende Elemente platziert, um die ganzheitliche Entwicklung der Kinder zu unterstützen.

Bei der alltagsintegrierten sprachlichen Bildung der Kinder greifen Frau Rutz und ihre Kolleginnen gerne auf die Materialien des DJI zurück. Darin fanden sie auch eine Anregung für die Arbeit mit Bilderbüchern die „dialogische Bilderbuchbetrachtung“: „Die Kinder sollen sich aktiv an der Geschichte beteiligen können und nicht in die Rolle des Zuhörers gezwungen werden“, erklärt Frau Rutz. Die Erzieherinnen und Erzieher lesen das Buch nicht einfach bis zum Ende vor, sondern achten darauf, dass die Kinder die Geschichte verfolgen und sich Gedanken dazu machen. Zudem wird den Kindern Raum für den gegenseitigen Austausch über die Geschichte und eigene Gedanken gelassen.

Die Sprachexpertin Frau Rutz arbeitet in den verschiedenen Gruppen exemplarisch mit den Kindern. Sie zeigt den Erzieherinnen und Erziehern zum Beispiel auf, wie der Ansatz des „dialogischen Bilderbuchs“ konkret in der Gruppe umgesetzt werden kann. Ansonsten nimmt sie im Kita-Alltag eher eine Beobachterrolle gegenüber Kindern sowie Erzieherinnen und Erziehern ein. Jede Woche findet eine Teamsitzung statt, in der einzelne, von der Sprachexpertin anschaulich aufbereitete Themen diskutiert werden. Darüber hinaus hat Frau Rutz aber auch jederzeit ein offenes Ohr für individuelle Fragen ihrer Kolleginnen und Kollegen.

Die „Sprachwand“

Damit das Thema sprachliche Bildung im Kita-Alltag nicht zu kurz kommt, lies sich das Kita-Team etwas einfallen: die „Sprachwand“. An die Sprachwand im Personalzimmer hängt Frau Rutz regelmäßig Informationen und Anregungen zur sprachlichen Bildung, interessante Artikel aus Fachzeitschriften oder Zusammenfassungen der Arbeit der letzten Monate. „Diese werden eine ganze Weile an der Sprachwand ausgestellt, damit das gesamte Kita-Team informiert wird. Anschließend hefte ich die Unterlagen in einem Ordner ab, auf den alle jederzeit zugreifen können“, erklärt Frau Rutz. Außerdem hängt an der Sprachwand ein großer weißer Zettel, auf dem alle Erzieherinnen und Erzieher ihre Wünsche, Anregungen und Fragen notieren können. Diese greift die Sprachexpertin dann entweder auf der wöchentlichen Teamsitzung auf oder klärt sie individuell mit einzelnen Erzieherinnen und Erziehern.

Migrationshintergrund ist nicht gleichzusetzen mit Sprachförderbedarf

In der Kita St. Elisabeth haben 38 der 65 Kinder einen Migrationshintergrund. Da die Kinder größtenteils türkischer Herkunft sind, wurde eine interkulturelle Fachkraft angestellt, die die türkische Sprache beherrscht und mit den Kindern zweisprachig arbeiten kann. „Wir sind überzeugt, dass alle Kinder auch zwei Sprachen parallel lernen können, ohne dass dies ein Problem für die Sprachentwicklung darstellt“, erklärt die Kita-Leiterin Frau Becker. Aus diesem Grund wird Eltern mit Migrationshintergrund zum Beispiel geraten, mit ihren Kindern nur in der Herkunftssprache zu sprechen: „Wir versuchen in Gesprächen den Eltern näherzubringen, dass ihre Muttersprache einen ganz wesentlichen Bestandteil der Identität der Kinder bildet und es für sie sehr hilfreich ist, wenn sie zwei Sprachen hören und lernen können.“

Auch die Zusammenarbeit mit Eltern darf nicht zu kurz kommen

Die Zusammenarbeit mit Eltern ist der Sprachexpertin genauso wie der Leiterin der Kita St. Elisabeth besonders wichtig. „Wir versuchen in regelmäßigen, mehr oder weniger täglichen Gesprächen zwischen Tür und Angel in Kontakt mit den Eltern zu bleiben“, erzählt Frau Becker. Dabei geht es vorwiegend darum, den Eltern über den Alltag ihrer Kinder zu berichten, mit wem sie beispielsweise gespielt haben, was sie am Tag gegessen haben und was ihnen besonders Spaß gemacht hat. Zusätzlich gibt es in regelmäßigen Abständen ausführliche Gespräche über die Entwicklung der Kinder. Grundlage für diese Gespräche ist die Dokumentation, die die Erzieherinnen und Erzieher erstellen und pflegen. So können die Eltern gemeinsam mit dem Kita-Team die Entwicklung des Kindes begleiten.

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