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Karten am Baum

Haltung, Zeit und Reflexion!

Auf der ersten Starterkonferenz haben rund 430 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Bundesprogramm „Sprach-Kitas“ am 25. Mai 2016 in Berlin die Schlüssel zu sprachlicher Bildung diskutiert. Kita-Leitungen, Sprachexpertinnen und- experten, Fachkräfte und Fachberatungen der im Programm beteiligten Kitas machten deutlich, wie wichtig inklusive Pädagogik und die Zusammenarbeit mit Familien für die sprachliche Bildung sind. Fazit war: es braucht Zeit, kreative Ideen und neues Fachwissen, um den Kita-Alltag für die sprachliche Bildung so gut wie möglich nutzen zu können. 

Nora Damme vom Bundesfamilienministerium eröffnete mit der Nachricht, dass das Bundeskabinett für den Bundeshaushalt ab 2017 eine Aufstockung der Mittel für die Sprach-Kitas beschlossen hat. Wenn der Bundestag zustimmt, können voraussichtlich viele weitere Kitas gefördert und das Programm weiterentwickelt werden.

Dass das Programm auf große Resonanz in den Ländern getroffen ist, bestätigte Dana Krüger von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft. Rund 320 Interessensbekundungen wurden allein in Berlin von Einrichtungen abgegeben, die am Programm mitwirken wollten. Ulrike Klevenz vom Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg betonte ebenfalls die Relevanz des Programms: „In Kitas kommt der gesellschaftliche Wandel schneller an als irgendwo anders und erfordert ein hohes Maß an Flexibilität.“ Damit aber Flexibilität nicht mit Stress gleichgesetzt wird und Sprache in den Alltagssituationen in den Blick genommen werden kann, braucht es gute Ideen, Unterstützung und zusätzliche Kräfte für die Teams. All das bietet das Bundesprogramm.

Was kann in vier Jahren Programmlaufzeit gelingen?

Dieser Frage widmete sich die anschließende Podiumsdiskussion. Die Teilnehmerinnen Sandra Pohler (systemische Beraterin), Katrin Pischetsrieder (Kulturwissenschaftlerin) und Petra Wagner (Institut für den Situationsansatz) näherten sich über die Elemente Haltung, Zeit und Reflexion dem Thema.

Es braucht Zeit und Zuwendung für sprachliche Bildungsprozesse betonte Wagner. Denn hinter einer Änderung in der Haltung stehen aufwändige Teamprozesse, in denen man sich verständigen muss. Dafür müssen Fachwissen vermittelt, Ideen ausprobiert und Zeit zur Reflexion gegeben werden. Frau Pischetsrieder bestärkte diesen Aspekt: „Die Fachkräfte brauchen diese Experimentierphase und die Möglichkeit, einmal aus dem Alltag herauszutreten, um Nischen zu schaffen um die eigene Sprache, das eigene Handeln hinterfragen zu können.“

Dass Inklusion ein wichtiger Bestandteil sprachlicher Entwicklung ist, führte Wagner aus. Der Kita-Alltag muss daraufhin überprüft werden. Welche sprachlichen Barrieren existieren? Wie kann man Identitäten bezeichnen ohne zu stigmatisieren? Und wie können individuelle Gesprächsanlässe geschaffen werden? „Was mich anspricht, bringt mich zum Sprechen“ ergänzte Frau Wagner dazu ihr Arbeitsmotto.

Den neuen Fokus im Programm „Zusammenarbeit mit Familien“ begrüßt auch Pohler. Sich die Elternarbeit aber noch einmal genau anzuschauen bevor man eine Vielzahl neuer Formate installiert, sei wichtig für die passgenaue Arbeit. Sie empfiehlt die Ziele klar zu definieren, Formate auszuprobieren, zu verwerfen und Gelungenes zu verstetigen.

Das Publikum bereicherte die diskutierten Themen mit konkreten Beispielen aus ihrem Arbeitsalltag. 

Teilnehmerin hängt eine Karte an den Baum
Teilnehmerinnen der Konferenz
Teilnehmerin schreibt auf eine Karte

In den Workshops am Nachmittag ging es um konkrete Fragen zu Programmumsetzung: Wie kann die Fachberatung eine individuelle Begleitung und Beratung sicherstellen, wo kommt die Zeit für Reflexion her, was sind Ideen für die Zusammenarbeit mit Eltern und wie kann eine Willkommenskultur geschaffen werden?

So berichteten zum Beispiel zwei Vertreterinnen von Berliner Kitas von ihren Erfahrungen, die sie bei der Arbeit mit geflüchteten Familien gemacht haben: „Uns fehlten oft Dolmetscher in Gesprächen mit den Eltern oder Angehörigen. Die Arbeit im Verbund der Sprach-Kitas ermöglicht uns jetzt aber auf einen gemeinsamen Pool an Dolmetschern oder Mitarbeitenden mit Kenntnissen in anderen Sprachen zuzugreifen.“

An vielen Stellen in den Workshops wurden die Themen Zeit und Flexibilität mit ganz konkreten Beispielen und Tipps aufgegriffen. Einige Kitas berichten, dass sie mehr und mehr in offenen Konzepten arbeiten: „Wir lassen von vielen alten Zöpfen ab und entscheiden uns mehr und mehr für offenes Arbeiten. Wenn wir beispielsweise feste Termine mit geflüchteten Eltern machen und diese dann aber kurzfristig zum Amt gerufen werden, kommen sie meist erst drei Stunden später als vereinbart. Das ist für uns kein Problem. Wir nehmen die Dinge wie sie kommen und ermöglichen uns selbst so viel Flexibilität wie möglich.“

Konkrete Tipps gab es auch zur Arbeit mit Sprachkarten und Piktogrammen, mit denen sich sprachliche Hürden überwinden lassen. Bewährt haben sich auch Vorlesetage, an denen die Eltern eingeladen werden in ihrer Muttersprache Bücher vorzulesen. So gelingt ein Perspektivwechsel für alle und eine Wertschätzung der unterschiedlichen Kulturen.

Eine Kita-Leitung brachte das hohe Maß an Kreativität und Flexibilität auf den Punkt: „Es gibt eigentlich keinen Kita-Alltag. Wir zaubern jeden Tag und begleiten den ganzen Tag auch sprachlich, aber oft unbewusst. Es wäre toll, wenn uns das Programm ermöglichen würde unsere Routinen wieder besser zu hinterfragen und Sprache bewusst für die Entwicklung der Kinder einzusetzen.“

Bis September 2016 werden weitere 14 Starterkonferenzen in ganz Deutschland folgen.

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