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Teamprozesse

Interview – Sprach-Kitas - Sandra Kosmala

Bild: Sandra Kosmala

Zur Person

Sandra Kosmala arbeitet als Fachberatung für Sprach-Kitas. Die gelernte Erzieherin absolvierte neben ihrer Tätigkeit in Kitas eine Weiterbildung zur Sozialfachwirtin für Organisationsentwicklung und Sozialmanagement. Sandra Kosmala arbeitete als Gruppenleitung, Zweitkraft, Fachkraft für sprachliche Bildung und zuletzt als Kita-Leitung, bevor sie als zusätzliche Fachberatung ins Bundesprogramm Sprach-Kitas wechselte, in dem sie zwei Verbünde begleitet.

Warum sind Teamprozesse in der Kita wichtig und was versteht man eigentlich darunter?

In den Kitas gibt es sehr viel Kompetenz und Wissen, das nicht immer abgerufen wird. Zum einem bringen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vielfältige Erfahrungen aus ihrer pädagogischen Ausbildung und Praxis mit, von denen die Kolleginnen und Kollegen hervorragend profitieren können. Zum anderen ist die eigene Biografie und eine reflexive Haltung eine wichtige Quelle für neue Impulse in der pädagogischen Arbeit. Für die Anregung von Teamprozessen ist es wichtig, dieses Wissen und die vorhandenen Möglichkeiten zu aktivieren, um die Qualität in der Arbeit der Kita weiterzuentwickeln. Daher sind Teamprozesse an kein bestimmtes Thema gebunden, sondern richten sich nach den aktuellen Bedarfen und Interessen des Teams. Was aber allen Teamprozessen gemein ist, ist dass sie gemeinsam vom gesamten Team durchlaufen werden und nicht nur von einzelnen Teammitgliedern.

Was ist die Rolle der zusätzlichen Fachkraft?

Zu Beginn des Prozesses sammelt die zusätzliche Fachkraft Impulse und Themen aus dem Team oder sie trägt selbst Ideen bzw. die Inhalte an das Team heran. Die Aufgabe der zusätzlichen Fachkraft ist es, den Prozess zu moderieren und zu (beg-)leiten.

Damit die zusätzliche Fachkraft garantieren kann, dass die Prozessentwicklung umgesetzt wird, sollte sie sich selbst – vor Beginn – folgende Fragen stellen:

1) Was brauche ich, um gut arbeiten zu können?
2) Welche Fragen muss ich stellen und welche Methoden wende ich an? An welchen Themen wird konkret gearbeitet? Gibt es bestimmte Ausstattungen, die benötigt werden, um gut arbeiten zu können?
3) Was braucht das Team, um in dem Prozess gut arbeiten zu können?

Wichtig für die Arbeit der zusätzlichen Fachkraft ist es, den Blick kontinuierlich auf den Prozess zu richten und eine positive zielorientierte Denkweise vorzuleben. In der Prozessgestaltung ist es wenig hilfreich die Rahmenbedingungen oder Herausforderungen zu fokussieren, wie z. B. „Wann sollen wir das noch machen?“ und „Warum ist das so?“ Es lohnt sich nicht, Energie in Dinge zu investieren, die wir nicht ändern können. Während des Prozesses ist wichtig, lösungsorientiert zu denken. Um Prozesse professionell zu gestalten bedarf es ein hohes Maß an Steuerung und Koordination von der Leitung und der zusätzlichen Fachkraft. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, können die nächsten (kleinen) Schritte in den Blick genommen werden, die beispielsweise folgende Fragestellungen beinhalten können: „Was ist der nächste Schritt?“, „Was braucht das Team jetzt?“. Wichtig ist es eine beständige Lenkung zu garantieren.

Wie läuft eine Prozessteuerung in Teamprozessen ab?

Zuerst befragt die zusätzliche Fachkraft das Team: „Was haben wir bisher gemacht?“ (Ist-Stand Analyse). Das ist immer ein sehr reflexiver und ressourcenorientierter Prozess. Wenn ich als Fachberatung diese Frage an die Kita Teams richte, wird sie oftmals mit dem Ergebnis beantwortet: „Wir machen ja schon sehr viel!“ Es ist ganz viel Wissen im Raum, das ist den Mitarbeitern nicht bewusst ist.

Die Themenauswahl für Prozesse kann sowohl aus dem Team heraus, als auch von der zusätzlichen Fachkraft initiiert werden. Aus den Arbeitskreisen bringt die zusätzliche Fachkraft sehr viel Wissen und Input mit. Der Kopf ist dann nach jedem Treffen mit neuen Inhalten gefüllt. Die zusätzliche Fachkraft hat die Möglichkeit Impuls- und Ideengeberin zu sein. Und dann kann es sein, dass das Team sagt „ja, das ist ein Thema auch für uns“!

Es kann aber auch umgekehrt sein, dass ein Thema vom Team gewünscht wird und folgende Frage an die zusätzliche Fachkraft gestellt wird: „Dieses Thema wäre jetzt wichtig für uns. Können wir das bearbeiten?“ Ein Thema aus dem Team sollte von der zusätzlichen Fachkraft (im Tandem mit der Leitung) aufgenommen und bearbeitet werden. Es ist Aufgabe der zusätzlichen Fachkraft zu sicher zu stellen, dass an dem Prozess gearbeitet wird.

Veränderungsprozesse in Teams finden immer gemeinsam statt. Wenn die zusätzliche Fachkraft neues Wissen aus den Arbeitskreisen in das Team transportieren möchte, ist es wichtig, dass Team einzuladen sich für die Themen zu interessieren. Das Team an der Themenauswahl zu beteiligen erfordert ein hohes Maß an Sensibilität und Feinfühligkeit für die Bedürfnislagen des Teams.

Die Rolle der zusätzlichen Fachkraft in der Prozessgestaltung kann sehr herausfordernd sein. In kleinen Schritten zu denken und zu arbeiten ist ein Qualitätsmerkmal für die Nachhaltigkeit der Weiterentwicklung jeder einzelnen Kita. Jede Sprach-Kita ist in ihren eigenen individuellen Prozessen und Schwerpunkten des Programms und in ihrem eigenen Tempo unterwegs.

Prozesssteuerung und -gestaltung als systematisches Instrument ist für einige Kitas Neuland. Einige Standorte sind erst durch das Bundesprogramm auf die planvolle und systematische Prozessgestaltung aufmerksam geworden Ein wichtiger Ansatz dabei ist, weg von dem: „Das-haben-wir-immer-schon-so-Gemacht“ zu gelangen und die Komfortzone zu erweitern. Die zusätzliche Fachkraft als Multiplikatorin in der Prozesssteuerung ist kompetenter Ansprechpartner für das Team die auf individuelle Fragen oder Unklarheiten eingehen kann.

Was sind ihre persönlichen Tipps an zusätzliche Fachkräfte?

Authentizität, Transparenz und Klarheit in der Rolle der zusätzlichen Fachkraft sind ein Türöffner für die Prozessbegleitung im Bundesprogramm.

Die zusätzliche Fachkraft als zuverlässiger und verbindlicher Ansprechpartner gestaltet und plant gemeinsam mit dem Team die nächsten Schritte. Der stärkenorientierte Dialog und die lösungsorientierte Beratung in einer positiven Haltung zur Projektumsetzung bieten großartige Chancen für Entwicklungen der Sprach-Kitas!

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