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Ein Teamprozess ist ein Vorgehen innerhalb eines Teams, das sich kontinuierlich entwickelt. Ziel der Prozesssteuerung und Begleitung ist es, Abläufe, Strukturen und Strategien zu entwickeln, um die Arbeit im Team zu optimieren und weiterzuentwickeln. Zentral ist hierbei, dass nicht einzelne Team-Mitglieder die Adressaten des Prozesses sind, sondern das Team als Ganzes beteiligt wird.

Durch Teamprozesse wird das vorhandene Wissen in den Teams abgerufen, erweitert und aktiviert. Das Wissen leitet sich zum einen aus der pädagogischen Praxis der Mitarbeiter ab, zum andern aus deren Erfahrungen. Viel von diesem Wissen wird nicht aktiv genutzt. Daher geht es bei Teamprozessen darum, das Wissen zu aktivieren und Gelegenheiten zur Optimierung und Weiterentwicklung zu schaffen.

Bevor eine Prozessbegleitung erfolgreich durchgeführt werden kann, sollte die zusätzliche Fachkraft die folgenden Fragen zur Ausgangssituation für sich beantwortet haben:

1) Welche Fragen muss müssen gestellt werden? An welchen Themen wird/ soll gearbeitet werden?

2) Was brauche ich, um gut arbeiten zu können?

3) Welche Rahmenbedingungen benötigt das Team, um gut arbeiten zu können? / Gibt es materielle Ausstattungen, die benötigt werden, um gut arbeiten zu können?

Schritt 1 – Ist-Stands-Analyse: In Zusammenarbeit mit dem Team erarbeitet die zusätzliche Fachkraft, was in der pädagogischen Arbeit bisher gemacht wurde und wo die Stärken und Potenziale des Teams liegen.

Schritt 2 – Formulierung eines Soll-Zustands: Die thematischen Impulse für die Prozessentwicklung können sowohl aus dem Team selber kommen, als auch von der zusätzlichen Fachkraft in das Team hineingetragen werden. In diesem Schritt sollte die zusätzliche Fachkraft erfassen, welche materiellen und zeitlichen Ausstattung und Ressourcen für das Team benötigt wird, um die Veränderung umzusetzen. Im Hinblick auf den Soll-Zustand werden Ziele formuliert und verbindlich vereinbart.

Schritt 3 – Umsetzung des Soll-Zustands: Dem Team sollte Zeit gegeben werden, um den angestrebten Wandel umsetzen zu können. Durch eine ausreichend lange Implementierungsphase kann sich der angestrebte Bewusstseinswandel im Team verfestigen. Zwei aufeinanderfolgende Teamprozesse zum gleichen Bereich sollten nach Möglichkeit vermieden werden.

Schritt 4 – Reflexion: Nach einer ausreichend langen Implementierungsphase sollte die zusätzliche Fachkraft mit dem Team den Umsetzungsstand des Teamprozesses anhand der Zielsetzung analysieren. In dieser neuen Ist-Zustands-Analyse wird ergründet, in wie weit die angestrebten Ziele (der Soll-Zustand) erreicht wurden. Auf der Reflexionsgrundlage der neuen Ist-Stands-Analyse kann ein Teamprozess von neuem gestartet werden.

Ziel und Aufgabe der zusätzlichen Fachkraft ist es, positives Feedback in die Teams zu geben und den Erzieherinnen und Erziehern eine positive Selbstreflexion zu ermöglichen.

Nach einer erfolgreichen Veränderung der Prozesse benötigt das Team Zeit zum Ausprobieren. Die Prozessinitiierung in den Kitas sollte gut dosiert werden und sich an den Teamressourcen orientieren. Die Fachkraft sollte sich bewusst machen, dass Veränderungen und Weiterentwicklung in der Umsetzung Zeit benötigen. Und auch die Qualität entwickelt sich in der Verstetigung.

Die Themen sollten sich mit inhaltlich-pädagogischen Fragestellungen befassen. Zu vermeiden sind Themen, die sich ausschließlich mit unveränderbaren Umständen befassen, wie die gesetzlichen Rahmenbedingungen oder bindende Vorgaben des Trägers oder der Leitung. Zudem muss nicht immer die Gesamtgruppe Adressat des Teamprozesses sein. Es ist auch möglich, einen Teamprozess in einer Kleingruppe oder Gruppenteams gesondert durchzuführen.

Die Themensetzung kann sowohl durch die zusätzliche Fachkraft als auch aus dem Team selbst heraus erfolgen. In den Arbeitskreisen mit anderen zusätzlichen Fachkräften erhält die zusätzliche Fachkraft viele neue Impulse. Der „Koffer“ ist dann immer gut mit Ideen gefüllt. Diese können dem Team vorgestellt werden und passgenau auf die Interessen abgestimmt werden. Es kann auch umgekehrt sein, dass Impulse und Interessen aus dem Team herauskommen: „Dieses Thema wäre jetzt wichtig für uns. Können wir das bearbeiten?“ Diese Ideen sollten dann durch die zusätzliche Fachkraft (im Tandem mit der Leitung) aufgenommen werden.

Um das gesamte Team mitzunehmen ist ein kleinschrittiges Vorgehen mit Offenheit und Transparenz notwendig. In der Prozesssteuerung können Veränderungen nur dann umgesetzt werden, wenn die Zielesetzungen akzeptiert werden. Daher sollten „große Sprünge“ vermieden werden. Zudem sollte der Ablauf der Prozessentwicklung individuell an die Bedarfe der Gruppe sowie der jeweiligen Möglichkeiten angepasst werden.

Die zentrale Gelingensbedingung für Teamprozesse ist es sich Zeit zu nehmen und Zeit zu geben. Zeit hat man nicht – Zeit nimmt man sich! Nur wenn diese in ausreichendem Maß zur Verfügung steht, ist es möglich, positive Veränderungen zu erreichen. Wichtig ist hierbei, dass diese Zeit eingeplant wird. Des Weiteren stellt der Rückhalt der Kita-Leitung eine Gelingensbedingung dar. Ohne die Unterstützung der Leitung fehlt der Arbeit der zusätzlichen Fachkraft die Wertschätzung, wodurch dem Prozess die Legitimation entzogen wird.
Die dritte Gelingensbedingung sind klare Zielformulierungen. Nur durch eine klare Kommunikation und Absprachen sind zum einen die erreichten Ziele überprüfbar und zum anderen verbindlich für alle Beteiligten.

Authentisches Auftreten – Die Rolle der zusätzlichen Fachkraft bringt viele Chancen und Herausforderungen mit sich. Die transparente Kommunikation der abgegrenzten Aufgabenstellungen der zusätzlichen Fachkraft gibt Teams Sicherheit. Verbindliche Vereinbarungen helfen Absprachen einzuhalten und umzusetzen. Hierdurch wird sowohl den Teammitgliedern als auch der zusätzlichen Fachkraft Wertschätzung und Akzeptanz entgegengebracht. Ein Königsweg ist die lösungsorientierte Denkweise. In Gesprächen mit dem Team werden die positiven Aspekte der Arbeit herausgearbeitet und gemeinsam nach neuen Wegen gesucht.

Um sich vertieft in die Prozesssteuerung und Prozessbegleitung einzulesen, sind die folgenden Publikationen zu empfehlen:

Weitere interessante Informationen zum Thema erhalten Sie, neben der Sprach-Kita Website, auf den folgenden Seiten:

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