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Die „Sprach-Kitas“ und Corona – Ideen und Gute Praxis während der Pandemie

Erste Welle, viele Fragen

Im Frühjahr 2020 wurden die Kitas in Deutschland weitgehend geschlossen. Für mehrere Wochen fand nur eine Notbetreuung für Kinder statt, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten. Die Situation stellte auch die „Sprach-Kitas“ vor ganz neue Herausforderungen und sorgte für viele Fragen: Wie kann die sprachliche Bildung trotz Schließung weitergeführt werden? Wie können die „Sprach-Kitas“ angesichts des Abstandsgebots so gut wie möglich mit den Kindern und ihren Eltern in Kontakt bleiben?

Gute Praxis für Kita-Schließungen und Notbetreuung

Eine Umfrage unter den „Sprach-Kitas“ aus dem Frühjahr 2020 brachte viele spannende Ergebnisse zutage. Sie zeigen, dass die „Sprach-Kitas“ trotz Schließungen die sprachliche Bildung der Kinder nicht aus den Augen verlieren. Diese Sammlung guter Ideen soll eine bleibende Inspiration für Fachkräfte sein. Denn auch jetzt, Anfang 2021, dürfen die meisten Kitas erstmal nur Notbetreuung anbieten.

Gelungene Beispiele: Kontakt halten und sprachliche Bildung fördern in Corona-Zeiten

Beispiel 1: Der tägliche Gruß aus der Kita

Eingesendete Fotos - Robin Hood-Buch und HandwerkerbuchEinsendungen der Kinder

Im März 2020 mussten alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kita des SOS-Kinderdorfs Berlin in Quarantäne – es gab einen auf den Corona-Virus positiv getesteten Fall unter den Kindern der Kita. In der Quarantänezeit wurden die Eltern fast täglich mit einem Elternbrief informiert. Darin fanden sich aktuelle Informationen, aber auch Adressen sowie Ideen für die Beschäftigung während der plötzlichen Schließzeit.

Auch als die Kita wieder mit der Notbetreuung startete, sollte das Band zwischen der Kita und den Familien, deren Kinder weiterhin zu Hause blieben, nicht abreißen. Die Bezugserzieherinnen und -erzieher hielten per Mail und telefonisch Kontakt.

Besonders etabliert und bewährt hat sich außerdem der tägliche Gruß aus der Kita. Die Fachkraft für Sprachbildung sendet den Kindern Rätsel, Fragen, Aufgaben, Geschichten, Bastel- und Bewegungsideen. Im Gegenzug erreichen sie vielfältige Antworten und Bilder der Kinder. Zum Beispiel Fotos von deren Lieblingsbüchern: auf diesen inszenieren sie die bevorzugte Lektüre liebevoll und legen passende Dinge dazu.

Beispiel 2: Spiel- und Bastelideen für zu Hause

In Köln haben die Sprachfachberatungen verschiedener „Sprach-Kitas“ Spiel- und Bastelideen für die Kinder und Familien zusammengetragen. Von einem Stadtmagazin für Familien wurden sie anschließend ansprechend aufbereitet und als PDF zur Verfügung gestellt. Zu den vielfältigen Ideen gehörten vor allem Vorschläge, die sich besonders gut zu Hause durchführen lassen – zum Beispiel Basteln mit Haushaltsmaterial, Bauen mit Spielmaterial oder Finger-, Klatsch- und Singspiele. Es sind auch Ideen dabei, die die alltagsintegrierte sprachliche Bildung unterstützen. Etwa „Geschichten erzählen mit Gegenständen“. Hier ist Kreativität gefragt: lustige Kombinationenverschiedener Alltagsgegenständen verweben sich zu spannenden Erzählungen. Die „verrückte Dinnerparty“ sorgt gerade in der ereignisarmen Pandemiezeit für Abwechslung. Mit diesem Spiel können Familien ihr Abendessen zum Event machen: jedes Familienmitglied schlüpft dafür in eine andere Rolle. Zur Essenseinladung kommt also vielleicht eine berühmte Sängerin und der Ritter von nebenan bringt einen Honigkuchen zum Dessert. Die verschiedenen Ausgaben der „Spiele und Ideen für zu Hause“ stehen auf der Website der Stadt Köln​​​​​​​ zum Herunterladen zur Verfügung.

Beispiel 3: Virtueller Treffpunkt

In den Landshuter Kitas fanden Einrichtungsbesuche und Arbeitskreise während der ersten Pandemie-Welle virtuell statt. Eine Idee, die jetzt wieder aktuell ist: so muss trotz Abstandsgebot der fachliche und persönliche Austausch nicht ausfallen und die Fachkräfte können sich zumindest am Rechner sehen und hören. Um alle zusätzlichen Fachkräfte der verschiedenen „Sprach-Kitas“ über Termine und Neuigkeiten zu informieren, können die Fachberatungen außerdem einen Newsletter verschicken.

Beispiel 4: Ziele setzen

Trotz aller Schwierigkeiten und Herausforderungen: die Corona-Pandemie bietet auch die Chance, an Dingen zu arbeiten, die im Betreuungsalltag häufig untergehen. Viele Kitas nutzen die gewonnene Zeit, um auszumisten und aufzuräumen, aber auch um neue Dinge anzugehen. Das Team kann sich zum Beispiel dem Thema Qualitätsentwicklung widmen. Dafür eignen sich die drei Säulen des Bundesprogramms – Sprachliche Bildung, Zusammenarbeit mit Familien und Inklusion. Gleichzeitig lohnt es sich schon während des eingeschränkten Regelbetriebs Ideen für den Moment zu sammeln, wenn die Kita wieder für alle Kinder öffnet. Die Fachberatung der „Sprach-Kitas“ aus Kleve bietet „ihren“ zusätzlichen Sprachfachkräften dafür nützliche Vorlagen, in die sie ihre Ziele und die nächsten Schritte eintragen können.

Viele weitere Ideen rund um den Betreuungsalltag unter Pandemie-Bedingungen

Die Corona-Pandemie stellt Kitas vor große Herausforderungen. Wie kann trotz Corona gute Zusammenarbeit mit Familien gelingen? Was passiert, wenn ein Kind Symptome zeigt? Wie können Hygiene- und Schutzmaßnahmen in den Kita-Alltag integriert werden?

Um Kitas Orientierung in der Corona-Pandemie zu geben, hat das Bundesfamilienministerium gemeinsam mit dem Bundesgesundheitsministerium eine interaktive Broschüre mit Praxistipps und Hintergrundwissen bereitgestellt.

 

Die Zahlen: Umfrage zum Arbeiten in Zeiten von Corona

. 96 Prozent der zusätzlichen Fachberatungen „Sprach-Kitas“ sind weiterhin im Austausch mit den Verbund-Kitas.

Die rund um Ostern 2020 durchgeführte Umfrage unter den „Sprach-Kitas“ zeigt, dass die Kitas sich schnell auf die Einschränkungen eingestellt haben. Über 80 Prozent der „Sprach-Kitas“ waren auch im ersten Lockdown weiterhin in Kontakt mit den Kindern und Familien. Das geschah auf vielfältige Weise – per Telefon, E-Mail, mit Briefen, mit Video-Anrufen oder auf anderen Wegen.

Die befragten pädagogischen Fachkräfte berichteten von vielfältigen Ideen, mit denen sie die kitafreie Zeit gestalteten. Zum Beispiel mit geübten, geliebten Ritualen aus dem Kita-Alltag wie dem Morgenkreis – der sich auch mit digitalen Mitteln per Video-Anruf oder Video-Portalen durchführen lässt. Aber dabei blieb es nicht, auch mit alternativen Angeboten wurde umfangreich experimentiert. In virtuellen, wöchentlichen Sprachcafés tauschten sich die Kinder und ihre Eltern aus und begegneten sich wenigstens kurz am Computer oder Handy. Darüber hinaus entwickelten viele Sprachfachkräfte Anregungen, mit denen die Eltern die Sprachbildung ihrer Kinder zuhause unterstützen konnten. Viele befragte Fachkräfte berichteten außerdem, dass sie individuelle Beratung und Hilfen anboten – in akuten Situationen konnten sie beispielweise auf einem Notfalltelefon angerufen werden.

Auch untereinander riss der Kontakt trotz eingeschränkter Kontaktmöglichkeiten nicht ab, sondern wurde ins Digitale verschoben. 96 Prozent der zusätzlichen Fachberatungen „Sprach-Kitas“ waren weiterhin im Austausch mit den Verbund-Kitas. Und auch der kollegiale Austausch der zusätzlichen Fachberatungen oder regulären Fachberatungen wurde von der großen Mehrheit praktiziert.

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