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Die „Sprach-Kitas“ und Corona – Ideen und Gute Praxis während der Pandemie

So etwas gab es noch nie. Seit Mitte März sind die Kitas in Deutschland weitgehend geschlossen. Nur eine Notbetreuung für Kinder, deren Eltern beispielsweise in systemrelevanten Berufen arbeiten, fand in den vergangenen Wochen statt. Die Situation stellte die „Sprach-Kitas“ vor ganz neue Herausforderungen und sorgt für viele Fragen: Wie kann die sprachliche Bildung trotz Schließung weitergeführt werden? Wie können die „Sprach-Kitas“ angesichts des Abstandsgebots so gut wie möglich mit den Kindern und ihren Eltern in Kontakt bleiben?

Eine Umfrage vor den Osterferien hat spannende Ergebnisse zutrage gebracht und gezeigt, dass die „Sprach-Kitas“ viele gute Ideen haben, wie sie auch in dieser schwierigen Zeit die sprachliche Bildung der Kinder nicht aus den Augen verlieren.

 

Die Zahlen: Umfrage zum Arbeiten in Zeiten von Corona

Über 80 Prozent der „Sprach-Kitas“ sind weiterhin in Kontakt mit den Kindern und Familien. Das tun sie auf vielfältigen Wegen – per Telefon, E-Mail, mit Briefen, mit Video-Anrufen oder auf anderen Wegen.

. 96 Prozent der zusätzlichen Fachberatungen „Sprach-Kitas“ sind weiterhin im Austausch mit den Verbund-Kitas.

In den Rückmeldungen auf die Befragung berichten die pädagogischen Fachkräfte von vielfältigen Ideen, mit denen sie die kitafreie Zeit gestalten. Zum Beispiel mit geübten, geliebten Ritualen aus dem Kita-Alltag. Etwa dem Morgenkreis – der sich auch mit digitalen Mitteln per Video-Anruf oder Video-Portalen durchführen lässt. Aber dabei bleibt es nicht, auch mit alternativen Angeboten wird experimentiert. Virtuelle, wöchentliche Sprachcafés sorgen dafür, dass die Kinder und ihre Eltern im Austausch bleiben und sich wenigstens kurz am Computer oder Handy begegnen. Darüber hinaus senden viele Sprachfachkräfte den Eltern verschiedene Anregungen, mit denen sie die Sprachbildung ihrer Kinder zuhause unterstützen können. Viele befragte Fachkräfte berichten außerdem, dass sie auch individuelle Beratung und Hilfen anbieten – in akuten Situationen können sie beispielweise auf einem Notfalltelefon angerufen werden.

Eine weitere gute Nachricht. Auch untereinander ist der Kontakt trotz eingeschränkter Kontaktmöglichkeiten nicht abgerissen, auch hier hat er sich ins Digitale verschoben. 96 Prozent der zusätzlichen Fachberatungen „Sprach-Kitas“ sind weiterhin im Austausch mit den Verbund-Kitas. Und auch der kollegiale Austausch der zusätzlichen Fachberatungen oder regulären Fachberatungen wird von der großen Mehrheit praktiziert.

 

Gelungene Beispiele aus „Sprach-Kitas“

Beispiel 1: Der tägliche Gruß aus der Kita

Eingesendete Fotos - Robin Hood-Buch und HandwerkerbuchEinsendungen der Kinder

Im März mussten alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kita des SOS-Kinderdorfs Berlin in Quarantäne – es gab einen auf den Corona-Virus positiv getesteten Fall unter den Kindern der Kita. In der Quarantänezeit wurden die Eltern fast täglich mit einem Elternbrief informiert. Darin fanden sich aktuelle Informationen, aber auch Adressen sowie Ideen für die Beschäftigung während der plötzlichen Schließzeit. Im April konnte die Kita dann wieder mit der Notbetreuung starten. Aber auch in dieser Zeit sollte das Band zwischen der Kita und den Familien, deren Kinder weiterhin zu Hause blieben, nicht abreißen. Die Bezugserzieherinnen und -erzieher hielten auf verschiedenen Wegen, per Mail, aber auch telefonisch Kontakt.

Besonders etabliert und bewährt hat sich außerdem ein regelmäßiges Format – der tägliche Gruß aus der Kita. Die Fachkraft für Sprachbildung sendet den Kindern Rätsel, Fragen, Aufgaben, Geschichten, Bastel- und Bewegungsideen. Im Gegenzug erreichen sie vielfältige Antworten und Bilder der Kinder. So sollten die Kinder zum Beispiel Fotos von ihren Lieblingsbüchern schicken: auf diesen wurden sie liebevoll inszeniert und passende Dinge dazugelegt. Wenn die Zeit der Notbetreuung und der Kitaschließung endet, wird die Kita damit eine Ausstellung gestalten und es gibt Pläne für ein Büchlein mit wunderbaren Sprachanlässen.

Beispiel 2: Spiel- und Bastelideen für zu Hause

In Köln haben die Sprachfachberatungen verschiedener „Sprach-Kitas“ Spiel- und Bastelideen für die Kinder und Familien zusammengetragen. Von einem Stadtmagazin für Familien wurden sie anschließend ansprechend aufbereitet und als PDF zur Verfügung gestellt. Zu den vielfältigen Ideen gehören natürlich vor allem Vorschläge, die sich besonders gut zu Hause durchführen lassen – zum Beispiel Basteln mit Haushaltsmaterial, Bauen mit Spielmaterial oder Finger-, Klatsch- und Singspiele. Auch Ideen sind dabei, die die alltagsintegrierte sprachliche Bildung unterstützen. Etwa „Geschichten erzählen mit Gegenständen“. Hier ist Kreativität gefragt, aber lustige Kombinationen von verschiedenen Alltagsgegenständen können zu spannenden Erzählungen verwoben werden. Mit der „verrückten Dinnerparty“ lässt sich Abwechslung in das Abendessen der Familie bringen: jedes Familienmitglied schlüpft in eine andere Rolle. An diesem Abend kommt also vielleicht eine berühmte Sängerin zu Besuch und der Ritter von nebenan bringt einen Honigkuchen zum Dessert. Die verschiedenen Ausgaben der „Spiele und Ideen für zu Hause“ stehen auf der Website der Stadt Köln zum Herunterladen zur Verfügung.

Beispiel 3: Virtueller Treffpunkt

In den Landshuter Kitas finden Einrichtungsbesuche und Arbeitskreise nun virtuell statt – so fällt trotz Abstandsgebot nicht der fachliche und persönliche Austausch aus und die Fachkräfte können sich zumindest am Rechner sehen und hören. Um alle zusätzlichen Fachkräfte der verschiedenen „Sprach-Kitas“ über Termine und Neuigkeiten zu informieren, verschickt die Fachberatung außerdem einen Newsletter.

Beispiel 4: Ziele setzen

Trotz aller Schwierigkeiten und Herausforderung: die Coronazeit ist auch eine Chance, an Dingen zu arbeiten, die im Betreuungsalltag häufig untergehen. Viele Kitas nutzen gewonnene Zeit, um auszumisten und aufzuräumen, aber auch um neue Dinge anzugehen. Das Team kann sich zum Beispiel dem Thema Qualitätsentwicklung widmen. Dafür eignen sich die drei Säulen des Bundesprogramms – Sprachliche Bildung, Zusammenarbeit mit Familien und Inklusion. Gleichzeitig lohnt es sich, schon frühzeitig Ideen zu sammeln für den Moment, wenn die Kita wieder für alle Kinder öffnet. Die Fachberatung der Sprach-Kitas aus Kleve bietet „ihren“ zusätzlichen Sprachfachkräften dafür nützliche Vorlagen, in die sie ihre Ziele und die nächsten Schritte dafür eintragen können.

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