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FAQs zum Thema Videografie

Videografie ist eine Beobachtungs- und Reflexionsmethode. Zunächst werden kurze Sequenzen aus dem Kita-Alltag mit einer Videokamera gefilmt. Die Methode erlaubt, pädagogische Alltagssituationen zu einem späteren Zeitpunkt, in einem selbst bestimmbaren Tempo, allein oder aus der Perspektive mehrere Kolleginnen und Kollegen für die Analyse und Reflexion heranzuziehen. Videografie ermöglicht differenziertes und systematisches Beobachten, Analysieren und Reflektieren. Sie erweitert die eigene Perspektive, indem die pädagogische Fachkraft ihre Sprachbildungsarbeit „von außen“ betrachten kann.

Videografie kann dabei helfen, sich darüber bewusst zu werden, wie wir mit anderen sprechen und umgehen. In Bezug auf die alltagsintegrierte sprachliche Bildungsarbeit können pädagogische Fachkräfte das Potenzial bestimmter Situationen für die sprachliche Bildung erkennen und besser im Alltag nutzen. Videosequenzen können jedoch auch als Begründungen für bestimmte Anschaffungen oder beispielsweise für Forderungen nach größeren Räumen gegenüber dem Träger genutzt werden. Auch Fallgespräche im Team lassen sich gut mit kurzen Videosequenzen einleiten. Das Videomaterial kann außerdem als Grundlage für Elterngespräche dienen. Es bietet den Eltern einen unmittelbareren Einblick in den Kita-Alltag. Darüber hinaus können Fachkräfte bei der Besprechung einer Videoszene ihre Kompetenz im Bereich sprachlicher Bildung demonstrieren und sich den Eltern als professionelle Ansprechpartner bei Fragen zum Thema Sprache anbieten.

Um Videoszenen aufzunehmen, braucht es eine Kamera mit Video-Funktion oder einen Camcorder. Für die Aufnahmen sollten keinesfalls internetfähige Geräte oder private Smartphones verwendet werden! Je nach räumlichen Voraussetzungen ist ein externes Mikrofon für eine gute Audioqualität notwendig. Zum Speichern der Videosequenzen eignen sich Speicherkarten. Um größere Dateien zu speichern, lassen sich gut externe Festplatten nutzen. Die Videosequenzen können auf einem Laptop oder PC abgespielt werden. Je nach Ausstattung ist ein externes Kartenlesegerät notwendig. Ist kein Raum vorhanden, in dem Aufnahmen ungestört angeschaut werden können, sollten Kopfhörer verwendet werden. Fortgeschrittene können Software nutzen, um die Videos zu bearbeiten oder zu schneiden.

Die Aufnahmen sollten stets in einem abschließbaren Schrank aufbewahrt werden (siehe Datenschutz). Ein fester Standort für die technische Ausrüstung erlaubt es allen Teammitgliedern, schnell Zugriff darauf zu haben.

Ton- und Videoaufzeichnungen greifen in die Persönlichkeitsrechte der Kinder und pädagogischen Fachkräfte ein. Datenschutz ist sehr wichtig, die gesetzlichen Regelungen unterscheiden sich zwischen den Bundesländern. Mit dem Träger sollte Rücksprache gehalten werden, welche Vorgaben bestehen. Grundsätzlich gilt es, sich vor den ersten Aufnahmen mit dem Thema Datenschutz vertraut zu machen und ein Datenschutzkonzept zu erarbeiten. Aus dem Konzept sollte hervorgehen, aus welchem Anlass die Videoaufzeichnungen gemacht werden, wer Zugang zu den Daten bekommt und wie lange und wo sie gespeichert werden. Die Datenträger sollten in einem abschließbaren Schrank gesichert sein.

Für die Videoaufnahmen sind schriftliche Einwilligungserklärungen der pädagogischen Fachkräfte und der Eltern notwendig. In vielen Einrichtungen gibt es dazu bereits Regelungen oder vorliegende Erklärungen. Falls das nicht der Fall ist: Beim genauen Wortlaut kann eine Datenschutzexpertin oder ein Datenschutzexperte unterstützen und beraten.

Um möglichen Vorbehalten der Eltern zu begegnen, kann das Thema auch auf einem Elternabend angesprochen werden. Dabei sollte begründet werden, wofür die Videografie genutzt wird und dass sie zur Unterstützung der sprachlichen Bildung der Kinder dient. Es können beispielhafte Szenen gezeigt werden, damit sich die Eltern vorstellen können, welche Art von Szenen relevant sind und welches Potenzial sie für eine alltagsintegrierte sprachliche Bildung bieten.

Es gilt behutsam vorzugehen, kleine Schritte zu machen. Die Teilnahme ist freiwillig, nicht alle Teammitglieder müssen direkt einsteigen. Ein sicherer Rahmen und eine vertrauensvolle Atmosphäre sind die Voraussetzung.

Es ist wichtig, Strukturen und Routinen zu schaffen: Wann ist ein guter Zeitpunkt, Videosequenzen aufzunehmen, und wann ist ein guter Zeitraum, diese zu besprechen? Ideal ist es, einen festen Tagesordnungspunkt in Teambesprechungen dafür festzulegen. Vor dem ersten Testlauf können konkrete Ziele vereinbart und geklärt werden, welche Fragen analysiert werden sollen.

Für die Besprechung wird das Gelungene in den Blick genommen und kompetenzorientiert analysiert. Für die Analyse eignen sich Leitfragen aus Beobachtungs- und Reflexionsbögen (beispielsweise vom Deutschen Jugendinstitut).

Nicht alle pädagogischen Fachkräfte fühlen sich sofort mit der Methode Videografie wohl, schließlich ist es zunächst ungewohnt, sich filmen zu lassen. Veröffentlichtes Material hilft, sich mit der Methode bekannt zu machen. Es ist nicht notwendig, dass sich sofort das gesamte Team filmen lässt. Zunächst können einige Pioniere beginnen, das kann zum Beispiel die zusätzliche Fachkraft mit Expertise im Bereich sprachlicher Bildung in den Sprach-Kitas sein. Oft überzeugen die Ergebnisse weitere pädagogische Fachkräfte, die den Vorteil für ihren Arbeitsalltag erkennen.

Am besten eignen sich Szenen, die für die Kinder bedeutungsvoll sind, in denen sie eigenaktiv und engagiert handeln, denn hier kann man die Rolle von Sprache am besten erkennen. Das kann zum Beispiel die Aushandlung sein, wer als nächstes schaukeln darf. Oder das gemeinsame Spiel in der Bauecke. Oder auch der Stuhlkreis, in dem von den Erlebnissen des Wochenendes berichtet wird. Am Anfang eignen sich besonders abgegrenzte Szenen wie die Bilderbuchbetrachtung oder eine Brettspielsituation. Dafür muss die Kamera nicht bewegt werden. Dabei haben sich kurze Szenen bewährt, schon wenige Minuten bieten viel Material für die Analyse und Reflexion.

Die Länge der Videosequenzen orientiert sich am Erkenntnisinteresse. Es hat sich bewährt, eher mehrere kurze Szenen von ein bis zwei Minuten aufzunehmen, so erspart man sich die Arbeit zu schneiden. Grundsätzlich gilt die Faustregel: Man sollte nie mehr aufnehmen, als man besprechen kann!

Die Szenen werden zunächst auf der Speicherkarte im Aufnahmegerät gespeichert. Am PC lassen sich die Szenen auswählen, die gespeichert und später analysiert werden sollen. Nicht gewählte Szenen am besten direkt löschen. Ein eingängiger, klarer Dateiname ist von Vorteil, zum Beispiel Datum_Situation_Initialen des Kindes. Nach dem Speichern auf einer externen Festplatte können die Daten auf der Speicherkarte des Aufnahmegeräts gelöscht werden.

Die Speicherdauer sollte im Datenschutzkonzept festgelegt werden. Die Aufnahmen sollten spätestens gelöscht werden, wenn das Kind die Einrichtung verlässt. Vor dem Löschen: Viele Eltern freuen sich über Aufnahmen als Erinnerung, deshalb können sie auch gefragt werden, ob sie diese bekommen möchten.

Anfangs wird die Kamera die Aufmerksamkeit der Kinder wecken – schließlich ist es auch für die Kinder eine ungewohnte Situation. Die Kamera wird zunächst ein eigener Gesprächsanlass sein, in dem nicht nur die Kamera selbst den Kindern gezeigt werden kann, sondern auch erklärt wird, wozu das Kita-Team sie nutzen möchte. Nach regelmäßigen Einsätzen werden die Kinder die Kamera bald nicht mehr beachten. Neben den größeren Stativen gibt es auch etwa handgroße Stative, die sich flexibel befestigen lassen.

Zunächst sollten sich die Analysefragen auf die Kinder und nicht auf die Fachkräfte beziehen. Hier können zum Beispiel verschiedene Gesprächsformen untereinander oder der Entwicklungsstand der Kinder im Fokus stehen.

Sind die pädagogischen Fachkräfte mit der Videografie vertraut, kann der Blick auch auf ihre Sprachbildungsarbeit gerichtet werden. Szenen können anhand einiger Leitfragen analysiert werden, beispielsweise: Sind die Fachkräfte zugewandt und aufmerksam? Agieren sie auf Augenhöhe mit dem Kind? Wichtig ist ein stärkenorientierter Blick auf das eigene Verhalten und das Verhalten der Kolleginnen und Kollegen. Im Qualifizierungsmaterial des Deutschen Jugendinstituts „Die Sprache der Jüngsten entdecken und begleiten“ finden sich Orientierungsleitfäden zur Analyse.

Unter Links und Downloads finden sich weitere Informationen, Materialien und Literaturangaben zum Thema Videografie.

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