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"Alle Kinder haben das gleiche Recht auf Bildung"

Drei Fragen an Petra Wagner zur inklusiven Pädagogik

Petra WagnerPetra Wagner

Petra Wagner ist Diplom-Pädagogin, Direktorin des Instituts für den Situationseinsatz (ISTA) und leitet die Fachstelle Kinderwelten für Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung. 

Was bedeutet Inklusion und er Kindertagesbetreuung?

Das Ziel von Inklusion ist Bildungsgerechtigkeit. Alle Kinder haben das gleiche Recht auf Bildung. Einige von ihnen werden jedoch im Bildungssystem benachteiligt. Zum Beispiel kann das Kinder aus armen Familien, Kinder mit Migrationshintergrund oder Fluchtgeschichte, Kinder mit einer Behinderung oder einer bestimmten Familienkonstellation betreffen. Inklusive Pädagogik strebt danach, die Barrieren abzubauen, die Kinder am Zugang zu Bildung hindern. Sie bezieht sich auf die pädagogische Arbeit mit den Kindern, aber auch auf die Zusammenarbeit mit den Eltern und im Team.

Wie gestaltet sich Inklusion im Alltag? Was können erste Schritte sein? 

Inklusion bedeutet, dass Vielfalt respektiert und Ausgrenzung nicht akzeptiert wird. Es beginnt damit, den pädagogischen Alltag daraufhin zu überprüfen, wie mit Unterschieden und Ungerechtigkeiten umgegangen wird. Pädagogische Fachkräfte schauen genauer hin, wie sie auf Jungen und auf Mädchen reagieren, wer im Morgenkreis „das Sagen“ hat, welche Kinder häufiger als andere Ausgrenzung erleben, ob die Darstellung von Menschen in Kinderbüchern so vielfältig sind wie die Kindergruppe usw. Für die Schärfung des eigenen Blicks ist es wichtig, dass pädagogische Fachkräfte ihr Wissen erweitern und ihre eigenen Vorurteile reflektieren. Dies geschieht am besten im Team.

Im Team erweitern pädagogische Fachkräfte ihren Begriff von Gerechtigkeit: Kinder sind verschieden und haben unterschiedliche Lebensumstände. Also brauchen sie Unterschiedliches, um gut lernen zu können. Dies betrifft auch sprachliche Bildung. Sie gelingt am besten, wenn sie auf dem aufbaut, was Kinder bereits wissen und können – und sie nicht als defizitär stigmatisiert. Die Unterstützung sprachlicher Bildungsprozesse, die an den alltäglichen Fragen und Deutungen der Kinder ansetzt, bestärkt alle Kinder darin, ihre Interessen auszudrücken und an gemeinsamen Lernprozessen teilzuhaben.

Respekt für Unterschiede zeigt sich auch in der Wertschätzung der Mehrsprachigkeit. Das Kita-Team kann sich zum Beispiel fragen: Sind die verschiedenen Sprachen der Familien in unserer Kita präsent? Wie reagieren wir, wenn Familiensprachen abgewertet werden? Wie gehen wir vor, wenn Worte benutzt werden, die Kinder verletzen oder herabwürdigen? Das Kita-Team übernimmt die Verantwortung, Kinder vor Ausgrenzung und Diskriminierung verlässlich zu schützen. 

Es ist wichtig, die Eltern für Inklusion zu gewinnen. Auch wenn sich ihre Familienkultur von der Kultur in der Kindertagesbetreuung deutlich unterscheidet. Die pädagogischen Fachkräfte treten mit den Eltern in den Dialog über Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Sie respektieren unterschiedliche Vorstellungen von Erziehung, denn sie gestehen Eltern zu, dass diese in ihrem Kontext Sinn machen. Sind die Wünsche von Eltern allerdings mit Ausgrenzung oder Herabwürdigung Anderer verbunden, so braucht es die klare Positionierung der pädagogischen Fachkräfte, die dieses in der Kindertagesbetreuung nicht zulassen.  

Warum sollte sich eine Kita mit Inklusion auseinandersetzen?

Werden Kinder aufgrund ihres Alters, Geschlechts, Behinderung, Hautfarbe, Familienkonstellation, Religion, sozioökonomischem Status der Familie oder ihrer Sprache benachteiligt, so haben sie es schwer, ein positives Selbstbild zu entwickeln und mit Lust zu lernen. Sie brauchen Unterstützung, um ihre gleichen Rechte auf Bildung wahrzunehmen. Setzt sich eine Kita mit Inklusion auseinander, schafft sie einen Ort, an dem die Besonderheiten aller Kinder wertgeschätzt und respektiert werden. Und wo sie Schutz vor Diskriminierung erfahren. Davon profitieren alle Kinder! Dies gilt auch für Kinder mit Fluchthintergrund. Wenn sie willkommen sind und ihre Sprache, Kultur und Erfahrungen respektiert werden, können sie sich an ihrem neuen Lebensort positiv entwickeln und zurechtfinden.

 

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