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„Eine vertrauensvolle Beziehung ist die Basis für eine gute Fachberatung.“

Drei Fragen zur Fachberatung im Bundesprogramm „Sprach-Kitas“

Foto: Adelby 1 Kinder- und JugenddiensteAnke Fiebig

Anke Fiebig ist Diplompädagogin und Sprachheilpädagogin aus Flensburg. Im Bundesprogramm „Sprach-Kitas“ begleitet sie als Fachberaterin der Adelby 1 Kinder- und Jugenddienste 14 Sprach-Kitas. Zuvor war sie im Bundesprogramm „Schwerpunkt-Kitas Sprache & Integration“ als zusätzliche Sprachförderkraft tätig. 

Was sind Ihre Aufgaben als Fachberaterin im Bundesprogramm „Sprach-Kitas“?

Als Fachberaterin begleite ich die Kitas auf ihrem Weg zu einer Sprach-Kita. Dazu führe ich mit ihnen regelmäßig Beratungsgespräche durch und besuche sie alle sechs bis zehn Wochen vor Ort. Außerdem qualifiziere ich die Tandems. Diese bestehen aus der Kita-Leitung und der zusätzlichen Fachkraft „Sprach-Kitas“. Ich koordiniere auch externe Fortbildungen und fördere Teambildungsprozesse. Außerdem organisiere ich den Fachaustausch unter den zusätzlichen Fachkräften sowie unter den Tandems aus meinem Verbund. 

Bei jeder Aufgabe ist mir wichtig, für alle Beteiligten ein offenes Ohr zu haben. Eine vertrauensvolle Beziehung ist die Basis für eine gute Beratung. Auf dieser Grundlage kann man offen sprechen und reflektieren, Ziele festlegen oder erste Schritte für Veränderungen planen. Ebenso wichtig ist eine klare Haltung von mir als Fachberaterin. Zum Beispiel zu den Aufgaben der zusätzlichen Fachkraft „Sprach-Kitas“. Einen besonderen Fokus lege ich außerdem darauf, das ganze Team mit in das Boot zu holen. Nur so kann sich die gesamte Kita zu einer Sprach-Kita entwickeln.  

Wie unterstützen Sie als Fachberaterin die Sprach-Kitas konkret?

Zunächst schaue ich mir an, was die Kita bereits geleistet hat. Es ist wichtig, sich darüber zu freuen, was schon alles auf den Weg gebracht wurde. In den Beratungsgesprächen gebe ich den Tandems dann Impulse für nächste Schritte.  

Eine Kita hatte zum Beispiel die Idee, verstärkt mit Piktogrammen zu arbeiten. Kinder, die noch am Anfang ihrer sprachlichen Entwicklung stehen, können so im Kita-Alltag unterstützt werden. Ich habe gemeinsam mit der zusätzlichen Fachkraft und der Leitung nach Möglichkeiten gesucht, wie ihre Idee konkret umgesetzt werden kann. Eine Möglichkeit war, einen Wochenplan mit Piktogrammen zu erstellen. Beim Morgenkreis können die Kinder verschiedene Piktogramme an den Wochenplan heften. Zum Beispiel Wolken, Sonne, Regen oder Schnee für das Wetter. Die Kinder werden dadurch selbst aktiv und kommen ins Gespräch. 

Alle ein bis zwei Monate organisiere ich die Austauschtreffen unter den zusätzlichen Fachkräften „Sprach-Kitas“. Beim letzten Austausch ging es um das Thema kollegiale Fallberatung. Dies ist eine systematische Beratung im Team. Die zusätzlichen Fachkräfte haben das Format kennengelernt und ausprobiert.  

Bei dem Fachaustausch stelle ich immer einen Spruch des Tages vor. Dieser gefällt mir ganz gut. Er verdeutlicht, welche Haltung wir als Projekt-Beteiligte in die Sprach-Kitas tragen: „Die Kunst richtig miteinander zu kommunizieren, ist wie laufen lernen - man fällt so oft auf die Nase bis man liebevoll an der Hand genommen wird“ (Wilma Eudenbach). Beziehungsstabilität und emotionale Wärme sind das A und O für die Sprachentwicklung. Dazu gehört, sich sicher und getragen zu fühlen, über die Einmaligkeit der Kinder zu staunen und gemeinsam mit ihnen forschend unterwegs zu sein. Die Basis dafür ist das liebevolle an die Hand nehmen. Nur so kann in jeder Interaktion Sprache ermöglicht werden. Im gesamten Kita-Alltag - und eben nicht nur in einzelnen isolierten Sprachfördersituationen. Wir können einfach das nutzen, was die Kinder uns vor die Füße werfen. Wir müssen es nur aufheben.   

In welchen Bereichen besteht bei den Sprach-Kitas besonderer Beratungsbedarf?

Zu Beginn des Bundesprogramms hatten alle Kitas grundlegende Fragen. Dabei ging es zum Beispiel um die Rolle der zusätzlichen Fachkraft „Sprach-Kitas“ oder ihre Aufgaben. Für einige zusätzliche Fachkräfte ist die neue Rolle herausfordernd, denn es geht nicht mehr ausschließlich um die pädagogische Arbeit mit den Kindern. Ihre Aufgabe ist nun auch Erwachsenenbildung, denn das gesamte Team soll sich weiterentwickeln.  

Ansonsten ist der Unterstützungsbedarf ganz unterschiedlich. Einige Kitas fragen, wie die Kita-Leitung und die zusätzliche Fachkraft „Sprach-Kitas“ zusammenarbeiten sollten. Mir ist dann immer wichtig zu sagen: „Ihr seid zu zweit! Ihr macht das gemeinsam!“. Mir gefällt sehr gut, dass die Leitung beim Bundesprogramm „Sprach-Kitas“ stark eingebunden wird. In der Beratung prüfe ich dann zum Beispiel mit den Tandems, ob sie sich ausreichend abstimmen können. 

Ein besonderer Beratungsbedarf besteht auch bei der Zusammenarbeit mit Familien. Die Kitas sehen, wie wichtig es ist, die Familien mit einzubeziehen. Dabei zeigen sie eine große Bereitschaft. Doch wie können niedrigschwellige Angebote geschaffen werden, bei denen sich Familien wohl fühlen und mitgestalten? Die Kitas sind hier zum Teil noch auf der Suche nach dem richtign Weg, damit die Angebote gut angenommen werden. Ich unterstütze sie dann dabei, diesen Weg zu finden.

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